Windenergie und Vogelwelt
Für alle, die es genauer wissen wollen, teilen wir im Nachgang zur Veranstaltung „Natur im Aufwind – Dialog zur Windenergie, Naturschutz und Raumplanung“ die wichtigsten Inputs unserer Kollegin Christiane Steinbacher, EWS-Teamleiterin Biologie.
Die Diskussion rund um Windenergie und Vogelschutz wird häufig emotional und polarisierend geführt. Windkraftanlagen werden von Gegner:innen oder Verschwörungstheoretiker:innen oft als „Vogelschredder“ bezeichnet – eine zugespitzte Darstellung, die wissenschaftlich so nicht haltbar ist.
Einzelne Vogelarten sind kollisionsgefährdet, jedoch bei Weitem nicht alle. Erstaunlich ist, dass gerade jene Arten, die als besonders kollisionsanfällig gelten, vielerorts stabile oder sogar steigende Bestandsentwicklungen aufweisen. Gleichzeitig gehen Feld- und Wiesenvögel seit Jahren massiv zurück. Wer sich Sorgen um die heimische Vogelwelt macht, darf nicht die Windenergiebranche zur Verantwortung ziehen. Die Hauptursachen für den Rückgang vieler Vogelarten – insbesondere von Feld- und Wiesenvögeln, deren Bestände in den vergangenen 25 Jahren um rund 40 % (!) abgenommen haben – liegen vielmehr in anderen Entwicklungen wie:
- Intensivierung der Landwirtschaft
- Einsatz von Pestiziden
- Verlust natürlicher Lebensräume durch Bodenversiegelung
- Auswirkungen des Klimawandels
Dennoch gilt: Die möglichen Auswirkungen einzelner Windparks und deren Kumulationswirkungen müssen jedenfalls auch in den nächsten Jahren berücksichtigt werden, um den Ausbau der Windenergie nachhaltig zu gestalten.
Sorgfältige Planung als Schlüssel zur naturverträglichen Umsetzung
Entscheidend ist die richtige Standortwahl in den Bundesländern. Ebenso wichtig ist eine gute Datenbasis und die Ausarbeitung von Maßnahmenkonzepten.
„Für Windenergieprojekte führen wir über zwei Brut- und Aufzuchtperioden sowie zwei Winterzeiträume umfangreiche Erhebungen durch – insbesondere zu Greif- und Großvögeln wie Rotmilan, Schwarzstorch oder Kaiseradler“, erklärt Christiane Steinbacher. „Je nach Gebiet, Höhenlage und Forderungen der Naturschutzsachverständigen untersuchen wir darüber hinaus auch z.B. Raufußhühner, Eulen oder den Ziegenmelker.“
Auf Basis dieser Erhebungen erarbeitet unser 9-köpfiges Bio-Team gezielte Maßnahmen, um Natur- und Projektverträglichkeit bestmöglich in Einklang zu bringen. Dazu zählen unter anderem:
- Ausreichend große Abstände zu Horsten und Flugkorridoren
- Bei Bedarf die Schaffung zusätzlicher Lebensräume, in Form von Ackerbrachen oder extensivem Grünland
- Außernutzungsstellungen von sensiblen Waldbereichen
- Notfalls auch den Einsatz von Kamerabschaltsystemen
Aktuell stehen in Österreich 1.447 Windenergieanlagen. Geht man davon aus, dass pro Anlage ein bis zwei Hektar artenreicher Ausgleichsflächen geschaffen wurden, entstanden vor allem in Ostösterreich insgesamt rund 1.500 bis 3.000 Hektar wertvoller Lebensraum – das entspricht mehr als 4.000 Fußballfeldern. Von diesen Maßnahmen profitieren nicht nur Greifvögel, sondern auch jene Arten, die derzeit besonders unter Druck stehen: unsere Feld- und Wiesenvögel.
Windenergie zeigt, dass Klimaschutz und Artenschutz kein Widerspruch per se sind. Im Gegenteil: Der Ausbau erneuerbarer Energien leistet einen wesentlichen Beitrag zum langfristigen Schutz unserer natürlichen Lebensräume – und damit auch unserer Vogelwelt.



